Helen unterstützt das Lehrpersonal in einer Schule in Ghana. Bei ihrem Freiwilligendienst kann sie auch in die ghanaische Kultur eintauchen und die Landschaft des westafrikanischen Landes erleben.

Interview mit Helen

Warum nimmst du am weltwärts-Programm teil?

Ich habe mich für einen Auslandsfreiwilligendienst entschieden, weil ich mir nicht vorstellen konnte, direkt nach meinem Abitur in eine Ausbildung oder ein Studium einzusteigen. Ich wollte eine andere Welt kennenlernen als die, die wir aus Deutschland kennen, mich weiterentwickeln und Erfahrungen sammeln. Zudem wollte ich gerne unterstützen, wo es gebraucht wird. Mir ist bewusst, dass nicht alle Kinder das Glück wie wir haben, behütet aufzuwachsen, weshalb ich dort gerne unter die Arme greifen wollte.

 

Was hast du dort für Aufgaben?

In meiner Schule unterstütze ich die Lehrkräfte. Die Kinder arbeiten relativ selbstständig an ihren Aufgabenheften. Meine Aufgabe ist es, die bearbeiteten Aufgaben zu korrigieren, ebenso die Klassenarbeiten der Kinder. Und ich helfe, den "wilden Haufen" irgendwie unter Kontrolle zu halten!

Ich arbeite an einer inklusiven Schule. Während die Schüler morgens eine Stunde die sogenannten "Electives" haben, also Fächer wie Technik oder die einheimische Sprache "Twi", arbeite ich mit den beeinträchtigten Kindern und bringe ihnen Grundlagen bei. Viele der beeinträchtigten Kinder haben Autismus und können nicht sprechen.

 

Was hast du vom FSJ im Ausland erwartet?

Ich hatte die Erwartung, anderen Menschen zu helfen, neue Leute und eine neue Kultur kennenzulernen. Und ich wollte mich weiterentwickeln und Erfahrungen sammeln. Das meiste davon ist schon passiert, zum Teil automatisch. Allerdings glaube ich, dass es noch sehr viel Unentdecktes gibt, was uns in der kommenden Zeit noch begegnen wird.

 

Was hat dich überrascht?

Mich hat wirklich überrascht, dass man sich unglaublich schnell an ein neues Land und die Situation hier generell gewöhnt. Natürlich war am Anfang noch manches schwer oder doppelt so anstrengend wie zuhause, da es so viele Reize gab. Ehrlich gesagt dachte ich aber, dass man sich diesbezüglich viel länger durchbeißen muss. Mich hat es sehr gefreut, dass wir uns hier so gut und schnell eingelebt haben.

Welche Entwicklung bemerkst du bei dir selbst?

Meiner Meinung nach bin ich selbstständiger geworden. Zuhause hatte ich das Privileg, dass ich meine Wäsche nicht selbst machen und selten kochen musste oder Ähnliches. Jetzt bin ich selbst dafür zuständig. Mir fallen immer mal wieder Situationen ein, die ich hier alleine auf die Kette kriegen muss, was aber auch Spaß macht. Man lebt eben jetzt voll und ganz nach seinen eigenen Regeln.


Ich würde auch sagen, dass ich hier sparsamer lebe als Zuhause, was zum Beispiel Einkäufe oder Klamotten angeht, und dass ich mehr Dinge wertschätze. Beispielsweise waschen wir unsere Kleidung per Hand, weil wir keine Waschmaschine haben oder duschen kalt, weil es kein warmes Wasser gibt. Auch fließendes Wasser bleibt manchmal aus, was aber durch eine Pumpe schnell wieder geregelt werden kann. Das alles war für mich in Deutschland selbstverständlich, aber mittlerweile freue ich mich riesig, wenn ich auf Reisen mal warm duschen gehen kann oder Strom da ist.

 

Hat dein Freiwilligendienst Einfluss auf deine weiteren Ziele?

Ich wusste vor dem Jahr schon, in welche Richtung es für mich geht und dabei bleibt es bis dato auch. Ich möchte nach diesem Jahr Kommunikationswissenschaften studieren und hoffe, dass ich das von hier organisiert bekomme. Ich muss auch sagen, dass ich mir noch keine Ziele gesetzt habe, wenn ich dann wieder in Deutschland bin. Aber mein FSJ wird mich auf alle Fälle prägen und bestimmte Entscheidungen beeinflussen.

 

 

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