Einsatzstellen-Handbuch
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Situation der Freiwilligen: Was bewegt die jungen Menschen?

In der Regel haben Freiwillige bei Beginn des Dienstes gerade erst die Schule abgeschlossen. Es sind junge Erwachsene, die sich vom Elternhaus lösen, auf der Suche sind nach ihrer Identität und die ihre private und berufliche Lebensplanung beschäftigt.

Die meisten Freiwilligen nehmen im Rahmen des Freiwilligendienstes zum ersten Mal ein nicht formales Bildungsangebot wahr. Darüber hinaus erwartet sie in der Einsatzstelle oft ein völlig neues Erfahrungsfeld, von dem sie anfangs höchstens vage Vorstellungen haben. Mit dem Berufsalltag und seinen Gegebenheiten wie Teamstrukturen, Arbeitsrhythmus, Schweigepflicht und dem Umgang mit zu Betreuenden sind sie weniger vertraut. Ebenso waren die jungen Menschen bisher kaum mit Themen wie Leid, Sterben und Tod konfrontiert.

Fast alle Freiwilligen sind hoch motiviert, leistungsbereit und engagiert. Jugendliche oder junge Erwachsene, die Verantwortung für sich und andere übernehmen möchten. Sie wünschen sich Sicherheit wie auch positive soziale Beziehungen. Dazu gehört auch die Bereitschaft, sich im persönlichen Umfeld für die Belange anderer oder für das Gemeinwesen einzusetzen.

Heranwachsende an der Schwelle zum Erwachsensein wünschen sich einen Beruf, der ihnen dauerhaft Spaß und sie glücklich macht, sind aber häufig aufgrund der vielen Möglichkeiten und Angebote ratlos und unentschlossen. Kein Wunder: Bundesweit gibt es über 448 Hochschulen und mehr als 18.000 Studiengänge. Außerdem existieren über 320 Ausbildungsberufe5. Von daher bereiten Jugendlichen die Suche nach dem passenden Ausbildungs- und Studienplatz und die Frage: „Wie geht es nach meinem Freiwilligendienst weiter?“ oft am meisten Sorgen.

Im Vergleich haben Jugendliche heute sowohl höhere Bildungs- und Berufsziele als auch höhere Ansprüche an ihre Arbeitgeber. Sie wünschen sich Berufe mit interessantem und erfüllendem Tätigkeitsprofil, aber auch Flexibilität und die Vereinbarkeit von Freizeit, Familie und Beruf. Dabei geht es vor allem um planbare und verlässliche Rahmenbedingungen. Der künftige Beruf soll sicher sein und ein selbstständiges Leben ermöglichen. Zugleich streben junge Menschen eine selbstbestimmte, sinnvolle und gesellschaftlich nützliche Tätigkeit an. Für rund vier Fünftel ist es wichtig, dass sie ihre Dienst- und Einsatzzeiten kurzfristig an ihre Bedürfnisse anpassen können6.

Die Familie hat für Jugendliche weiterhin einen hohen Stellenwert. Hier finden sie den notwendigen Rückhalt und die positive emotionale Unterstützung auf dem Weg ins Erwachsenenleben. Mehr als 90 Prozent der Jugendlichen haben ein gutes Verhältnis zu ihren Eltern7. Im privaten Bereich kann aber auch eine potenzielle Ursache für Krisen und Konflikte liegen, sei es durch Ärger mit den Eltern, Probleme in der Beziehung oder mit Gleichaltrigen. Dies wirkt sich unter Umständen auf den Einsatz der Freiwilligen in der Einrichtung aus. In manchen Fällen kann bei ihnen aufgrund der vielfältigen Einflüsse und Anforderungen innerhalb ihres Freiwilligendienstes auch ein Gefühl der Überforderung entstehen. Ein wichtiges Lernziel könnte daher sein, eigene Grenzen und die anderer zu erkennen und zu respektieren.

Sowohl in den Einsatzstellen als auch in den Begleitseminaren beim Träger werden zudem immer mehr Jugendliche mit psychischer (Vor)Erkrankung beobachtet: Oft sind dies Folgen von Schulstress (hoher Leistungsdruck), von Familienkonflikten oder allgemein schwierigen Familienverhältnissen8.

In dem Maße, in dem Freiwillige Anleitung, Hilfe, Begleitung und Unterstützung durch die Einrichtung erfahren, fühlen sie sich als „Kolleginnen und Kollegen auf Zeit“ akzeptiert. Die vielfältigen Erfahrungen, die Freiwillige im Umgang mit ihnen anvertrauten Menschen, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie Vorgesetzten machen, können im Sinne eines sozialen Lernens erst fruchten, wenn ausreichend Gelegenheit besteht zum Gespräch, zum Austausch, zur Reflexion und zur Verarbeitung. Um Überforderung und Frustration vorzubeugen, kommt der Betreuung und fachlichen Anleitung in der Einsatzstelle sowie der pädagogischen Begleitung und den Begleitseminaren beim Träger eine übergeordnete Bedeutung zu.

 

5Statista, Statistik-Portal und Bundesinstitut für Berufsbildung
617. Shell Jugendstudie 2015
717. Shell Studie 2015, Werte der Jugend
8Rückmeldungen und Beobachtungen aus Einsatzstellenbesuchen, Begleitseminare bei Volunta

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