Einsatzstellen-Handbuch
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Motivation der Freiwilligen

In der Diskussion über den Wertewandel im Leben junger Menschen wird der vermeintliche Rückgang von sozialem und politischem Engagement, verbunden mit Individualisierung, Konsumorientierung und Entsolidarisierung in unserer Gesellschaft beklagt. Es ist zwar richtig, dass sich vor allem Jüngere kritisch gegenüber Gewerkschaften, Parteien und auch Wohlfahrtsverbänden äußern und ihre Bereitschaft zu ehrenamtlichem sozialen Engagement innerhalb von hochinstitutionalisierten Verbänden dementsprechend rückläufig ist. Richtig ist aber auch, dass junge Menschen freiwilligem Engagement positiv gegenüberstehen, wenn sie es als sinnstiftende Bereicherung erleben und ihnen neue Erfahrungsräume geöffnet werden und sie neue Kontakte knüpfen können.

Gemeinsam mit dem SINUS-Institut hat Volunta im Jahr 2012 über 2.000 angehende, aktive und ehemalige Freiwillige zu ihren Wertvorstellungen, ihren Erwartungen an Einsatzstellen und Träger bzw. zu ihren Erfahrungen im Rahmen ihres Einsatzes und ihren Zukunftsplänen befragt. Auch die Motive für das Absolvieren eines Freiwilligendienstes waren Thema der Studie. Die Beweggründe sind der Studie zufolge vielfältig und unterscheiden sich zum Teil auch nach Einsatzgebieten.

Motivation zum Freiwilligendienst: Ergebnisse der SINUS-Studie

Berufliche Orientierung/Praxiserprobung:

  • Sich beruflich orientieren
  • Praktische Erfahrungen sammeln, Abwechslung zum Schulalltag
  • Einblick ins Arbeitsleben

Persönliche Weiterentwicklung:

  • Sich weiterentwickeln
  • Stärken besser kennenlernen
  • Soziale Kompetenzen erwerben

Soziale Verantwortung:

  • Etwas Gutes tun, anderen helfen wollen
  • Verantwortung übernehmen

Steigerung des persönlichen Marktwerts:

  • Lebenslauf aufwerten
  • Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern
  • Berufliche Kontakte knüpfen
  • Den bisherigen Bildungsabschluss aufwerten

Überbrückung/Anrechnung von Wartezeiten:

  • Zeit vor Studium/Ausbildung überbrücken
  • Anrechnung von Praxis-/Wartesemester
  • Sozial abgesichert sein (Kranken-, Pflege-, Rentenversicherung)

Connecting/sozialer Erlebniswert:

  • Neue Leute kennenlernen
  • Spaß haben

Virale Kraft:

  • Empfehlung anderer Freiwilliger
  • Empfehlung der Eltern

(Quelle: Volunta SINUS-Studie 2012 )

Sagen zu können, „ich habe viel Neues gelernt“ und „viele neue persönliche Erfahrungen gesammelt“ sowie „neue Kontakte geknüpft“, ist für die meisten Freiwilligen wichtig und von nachhaltiger Bedeutung. Die Erwartungen, die sie am Anfang ihres Dienstes hatten, wurden für das Gros rückblickend erfüllt. 90 Prozent der Befragten würden den Freiwilligendienst anderen empfehlen4.

In diesem Zusammenhang besonders zentral ist die praktische Arbeit vor Ort und das gemeinsame Arbeiten mit anderen Beschäftigten der Einsatzstelle. Der Abschlussbericht der gemeinsamen Studie des BMFSFJ 2014 zeigt, dass für den überwiegenden Teil der Freiwilligen die mit ihren Tätigkeiten und den Einrichtungen verbundenen Erfahrungen positiv sind und ihnen der Dienst Spaß macht.

Wir stellen auch immer wieder fest, dass soziales Engagement, Selbstverantwortung und Konfliktfähigkeit junger Menschen insbesondere durch die Kombination von praktischer Arbeit in einer Einrichtung und der Reflexion der dort gemachten Erfahrungen in den Seminaren gefördert werden. Das stärkt sie für die „Bewältigung von Entwicklungsaufgaben in der Jugendphase“, die sie zur „aktiven Teilnahme an der Gesellschaft“ befähigt, so der Sozial- und Bildungsforscher Klaus Hurrelmann.

Nicht zuletzt wurde mit der SINUS-Studie auch nachgewiesen, dass Freiwilligendienste jungen Menschen helfen, sich beruflich zu orientieren. Wie auch immer die weitere berufliche Planung ausfällt, der Freiwilligendienst wird dazu beigetragen haben, dass eine bewusste Entscheidung getroffen werden kann – ob für oder gegen das im Dienst kennengelernte Berufsfeld.

Einfluss des Freiwilligendienstes auf die Berufsentscheidung: Ergebnisse der SINUS-Studie


(Quelle: Volunta SINUS-Studie 2012)

4BMFSFJ, Abschlussbericht 2014, S. 289

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