Einsatzstellen-Handbuch
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Minderjährige Freiwillige (U18)

Bei jüngeren Freiwilligen ist neben dem Alter der damit verbundene individuelle psycho-soziale Entwicklungsstand hervorzuheben, speziell die Identitäts- und Selbstfindung auf verschiedenen Ebenen. Die Antwort zu finden auf Fragen wie „Wie bin ich?“, „Wie erleben mich die anderen?“ oder „Wie soll ich sein?“ ist für unter Achtzehnjährige zentral. Damit zusammen fallen unter anderem folgende Entwicklungsaufgaben und Herausforderungen:

  • Auseinandersetzung mit bisherigen Bezugspersonen und Bewältigung des Ablösungsprozesses von der Familie
  • Finden und gegebenenfalls Neubestimmung der eigenen Rolle innerhalb von Peergroups
  • Herausfinden der persönlichen Stärken und Kompetenzen sowie ein damit verbundenes

Interesse an Rückmeldung durch gleichaltrige und erwachsene Bezugspersonen

  • Entwicklung des persönlichen Wertesystems
  • Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität sowie Entwicklung einer eigenen Geschlechtsidentität und Geschlechterrolle.

Gegenüber älteren Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben Jüngere in der Regel weniger Lebenserfahrung und von Schulpraktika abgesehen eher selten im beruflichen Kontext eine Rolle bekleidet. Daraus ergeben sich im Übergang von Schule zu Ausbildung und Job zwangsläufig sehr viele Fragen zum weiteren individuellen Lebensweg, zur Berufswahl sowie prinzipielle Fragen zum Themenbereich Erwerbstätigkeit. Ihr Interesse und die Arbeit an komplexen Themen sind bisher vor allem durch schulische Zusammenhänge und eine eventuell begonnene Ausbildung geprägt. Folglich fallen manchen Jugendlichen die Erarbeitung inhaltlicher Zusammenhänge sowie die Fähigkeit zu kritischem Nach- und Hinterfragen schwer. Die Erfahrung, dass die eigenen Fragen, Meinungen und Kritik in einer Gruppe Raum haben, ist ungewohnt. Auch in der für sie neuen Seminarsituation muss die eigene Rolle erst gefunden werden. Gleichzeitig reagieren jüngere Freiwillige oft spontan, zum Teil im positiven Sinne impulsiv und sind offen für neue Erfahrungen.

Bei Minderjährigen gilt das Jugendarbeitsschutzgesetz
Dabei sind nicht nur die im Folgenden genannten Arbeits- und Ruhezeiten zu beachten, sondern auch die Aussagen des Jugendarbeitsschutzgesetzes zu sogenannten gefährlichen Arbeiten bzw. Tätigkeiten.

  • Arbeitszeit und Pausen: Zu unterscheiden sind Schicht- und Arbeitszeit. Schichtzeit ist die tägliche Arbeitszeit plus Ruhepausen.
  • Maximale Arbeitszeit: nicht mehr als acht Stunden täglich bzw. 40 Stunden wöchentlich
  • Ausnahme: Wenn an einzelnen Werktagen die Arbeitszeit weniger als acht Stunden beträgt, können Jugendliche an den übrigen Werktagen der Woche 8,5 Stunden beschäftigt werden.
  • Maximale Schichtzeit: Zehn Stunden; zwischen dem Ende einer Spätschicht und dem Beginn der nächsten Schicht am Folgetag müssen mindestens zwölf Stunden Freizeit liegen. Jugendliche dürfen nach einem regulären Spätdienst also nicht mit dem üblichen Frühdienst daran anknüpfen.
  • Jugendliche dürfen nur in der Zeit von 6 bis 20 Uhr beschäftigt werden. Im Schichtbetrieb von Krankenhäusern, Alten- und Kinderpflegeheimen bestehen Ausnahmeregelungen.
  • Ruhepausen: bei einer Arbeitszeit von 4,5 bis sechs Stunden 30 Minuten, bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs Stunden 60 Minuten. Ruhepausen müssen jeweils mindestens eine Stunde nach Arbeitsbeginn bzw. spätestens eine Stunde vor Arbeitsende liegen. Maximal 4,5 Stunden darf ohne Ruhepause gearbeitet werden. Zur Erholung muss entweder ein Pausenraum vorhanden sein oder es lassen alle die Arbeit ruhen.
  • 5-Tage-Woche: Jugendliche dürfen nur an fünf Tagen in der Woche beschäftigt werden. Werden sie an Samstagen eingesetzt, sind sie an einem anderen Arbeitstag derselben Woche freizustellen. Mindestens zwei Samstage im Monat sollen beschäftigungsfrei bleiben (Ausnahmen sind im gegenseitigen Einverständnis möglich).
  • Sonn- und Feiertage: Sind sie im Einsatz, müssen sie ebenfalls an einem anderen Arbeitstag derselben Woche freigestellt werden. Jeder zweite bzw. mindestens zwei Sonntage im Monat müssen beschäftigungsfrei bleiben.
  • Werden Jugendliche an Samstag und Sonntag beschäftigt, ist ihnen die 5-Tage-Woche durch Freistellung an zwei aufeinanderfolgenden berufsschulfreien (seminarfreien) Arbeitstagen derselben Woche sicherzustellen.

Zudem dürfen Jugendliche nicht eingesetzt werden beispielsweise bei Tätigkeiten,

  • die ihre physische, seelische oder psychische Leistungsfähigkeit übersteigen (etwa in der Psychiatrie),
  • bei denen sie schädlichen Einwirkungen von Lärm, Erschütterungen oder Strahlen ausgesetzt sind (z. B. in der Radiologie),
  • bei denen sie schädlichen Einwirkungen von Gefahrstoffen im Sinne der Gefahrstoffverordnung ausgesetzt sind (mit Zytostatika o. ä.) sowie
  • bei denen sie schädlichen Einwirkungen von biologischen Arbeitsstoffen im Sinne der Biostoffverordnung ausgesetzt sind (Infektionsstation etc.).

Besondere Anforderungen an die pädagogische Begleitung
Auch für Einrichtungen ist der Einsatz jüngerer Freiwilliger eine besondere Aufgabe. Diese kommen überwiegend das erste Mal über einen längeren Zeitraum mit der Arbeitswelt in Kontakt. Die Anleitung und Begleitung in der Einsatzstelle müssen dies berücksichtigen, um die Freiwilligen altersgemäß an das jeweilige Tätigkeitsfeld mit seinen Anforderungen heranzuführen. Eine intensive Anleitung gerade in der Anfangszeit ist daher genauso notwendig wie das Angebot, Freiwilligen regelmäßig ein persönliches und fachliches Feedback bezüglich deren Mitwirkung zu geben. Die Empfehlungen an eine qualifizierte Anleitung und Begleitung in den Einrichtungen gelten also in verstärktem Maße im Falle junger Freiwilliger insbesondere in Bezug auf Häufigkeit der Anleitungsgespräche und der persönlichen und fachlichen Reflexion (vgl. hierzu auch den Abschnitt „Situation der Freiwilligen: Was bewegt die jungen Menschen?“).

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