Einsatzstellen-Handbuch
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Grundlagen und Rahmenbedingungen

Die Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für die Freiwilligendienste sind im Jugendfreiwilligendienstegesetz (JFDG) bzw. im Bundesfreiwilligendienstgesetz (BFDG) geregelt.

FSJ, FÖJ und BFD haben eine Einsatzdauer von in der Regel zwölf bzw. mindestens sechs bis 18 Monate. Die Jugendfreiwilligendienste FSJ und FÖJ richten sich an junge Menschen ab Erfüllung der Vollzeitschulpflicht bis zum Alter von 26 Jahren (siehe dazu das Hessische Schulgesetz ). Vergleichbar einer Vollzeitbeschäftigung werden sie in der jeweiligen Einsatzstelle geleistet. Hingegen steht der BFD Männern und Frauen jeden Alters (nach Erfüllung der Vollzeitschulpflicht) offen, also auch Menschen, die das 27. Lebensjahr bereits vollendet haben. Auch der BFD ist grundsätzlich als Vollzeitbeschäftigung angelegt, kann von Freiwilligen im Alter von 27 Jahren oder älter aber auch in Teilzeit von mehr als 20 Wochenstunden abgeleistet werden.

FSJ und FÖJ sind definiert als „überwiegend praktische Hilfstätigkeit, die an Lernzielen orientiert ist“ (JFDG § 3 und § 4 Abs. 1). Das FSJ wird „in gemeinwohlorientierten Einrichtungen geleistet, insbesondere in Einrichtungen der Wohlfahrtspflege, in Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, einschließlich der Einrichtungen für außerschulische Jugendbildung und Einrichtungen für Jugendarbeit, in Einrichtungen der Gesundheitspflege, in Einrichtungen der Kultur und Denkmalpflege oder in Einrichtungen des Sports“ (JFDG § 3 Abs. 1 ). Mögliche Einsatzbereiche des FÖJ sind Stellen und Einrichtungen, „die im Bereich des Natur- und Umweltschutzes einschließlich der Bildung zur Nachhaltigkeit tätig sind“ (JFDG § 4 Abs. 1).

Die Definition des BFD orientiert sich zwar an der der Jugendfreiwilligendienste, erweitert jedoch die Einsatzbereiche noch um den Zivil- und Katastrophenschutz und nennt darüber hinaus das Beschäftigungsfeld „Integration“ (BFDG § 3 Abs. 1 ).

FSJ, FÖJ und BFD stellen eine Bildungs- und Orientierungszeit für junge Menschen dar. Damit wird nicht nur ein Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenhalt geleistet, sondern darüber hinaus haben junge Menschen Gelegenheit, im praktischen Einsatz ihr Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl zu stärken. Durch die Jugendfreiwilligendienste wird ihnen eine biografische Lernphase ermöglicht, die zur Persönlichkeitsentwicklung und Identitätsbildung beiträgt. Gleichzeitig werden im Zuge eines Freiwilligendienstes auch Kompetenzen erworben, die für die Berufsausbildung und den Zugang zum Arbeitsmarkt wichtig sind (vgl. die Förderrichtlinien für Jugendfreiwilligendienste des BMFSFJ). Durch die Öffnung des BFD für alle Altersgruppen unterstützt dieser zudem lebenslanges Lernen.

Ein wichtiger Bestandteil der Freiwilligendienste ist die pädagogische Begleitung. Sie erfolgt einerseits in der Einsatzstelle, andererseits durch pädagogische Kräfte des Trägers im Rahmen der Seminararbeit und außerhalb dessen. Ziel ist es, soziale und (inter)kulturelle Kompetenzen zu vermitteln und das Verantwortungsbewusstsein für das Gemeinwohl zu stärken. Im FÖJ sollen vor allem der nachhaltige Umgang mit der Natur gefestigt und Umweltbewusstsein entwickelt werden. Beim BFD kommt noch die politische Bildung im Rahmen einer speziellen Seminarwoche hinzu.

Konstituierendes Merkmal der Jugendfreiwilligendienste und des FDaG ist das Trägerprinzip, das heißt, sie können nur bei einem zugelassenen Träger geleistet werden. Gemäß § 5 Absatz 4 JFDG schließen Träger und Einsatzstelle einen (Rahmen)Vertrag zur Durchführung des Jugendfreiwilligendienstes. Darin sind die jeweiligen Verantwortlichkeiten und Kompetenzen bei der pädagogischen Begleitung der Freiwilligen verpflichtend geregelt. In einer weiteren Vereinbarung klären Träger, Einsatzstelle und Freiwillige/r die jeweiligen Rechte und Pflichten. Der Träger ist verantwortlich für die rechtmäßige Durchführung des Freiwilligendienstes, insbesondere auch für die pädagogische Begleitung. Er vermittelt zwischen den Bedürfnissen der Freiwilligen und den Anforderungen der Einsatzstelle. Seine wichtigsten Aufgaben sind die individuelle Betreuung der Freiwilligen und die Organisation und Durchführung der Seminare. Über die Zulassung von Trägern entscheidet die zuständige Landesbehörde des Bundeslandes, in dessen Gebiet Einsatzstellen betreut werden. In Hessen ist es das Hessische Ministerium für Soziales und Integration.



Der BFD unterscheidet sich von den Jugendfreiwilligendiensten darin, dass das Trägerprinzip nicht zur Anwendung kommt: Hier übernimmt das Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben (BaFzA) in Kooperation mit den Zentralstellen der Verbände wesentliche Aufgaben bei der Umsetzung des BFD. Das BaFzA überwacht die Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen, während die regionalen Träger der Verbände als sogenannte selbstständige Organisationseinheiten (SOE) kooperieren. Die Vereinbarung, die dem BFD zugrunde liegt, wird auf gemeinsamen Vorschlag des bzw. der Freiwilligen und der Einsatzstelle zwischen Bund (BaFzA) und Freiwilliger/-m geschlossen.

Eine wesentliche Voraussetzung für den Einsatz von Freiwilligen im Rahmen von FSJ, FÖJ oder BFD ist die Arbeitsmarktneutralität . Das heißt, Helferinnen und Helfer unterstützen das hauptamtliche Fachpersonal in der Einsatzstelle lediglich, ersetzen es jedoch nicht. Der Einsatz von Freiwilligen darf die Einstellung neuer Beschäftigter also nicht verhindern und keine Kündigung von Beschäftigten nach sich ziehen. Für den Alltag in den Einsatzstellen bedeutet dies, dass die Abläufe auch ohne das Zutun von Freiwilligen reibungslos vonstattengehen müssen.

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