Einsatzstellen-Handbuch
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Ältere Freiwillige (BFD plus)

Insbesondere Frauen und Männer, die z. B. nach einer beruflichen Auszeit wieder Anschluss finden oder über das Ende der Erwerbstätigkeit hinaus in die Arbeitswelt eingebunden sein oder Lebenserfahrung weitergeben möchten, nehmen am Bundesfreiwilligendienst plus teil. „Dieser Freiwilligendienst erreicht durch die Altersöffnung bezüglich des Bildungsstatus eine andere Klientel als die Jugendfreiwilligendienste. 43 Prozent der Freiwilligen über 27 haben einen mittleren Schulabschluss, 20 Prozent einen Hauptschulabschluss und 5 Prozent keinen Abschluss. […] Die Altersöffnung im BFD hat also für eine soziale Durchmischung der Freiwilligendienste gesorgt.9

Freiwillige im BFD plus sind eine sehr heterogene Gruppe aufgrund der großen Altersspanne und der damit verbundenen verschiedenen Berufs- und Lebenswege. Von daher unterscheiden sich auch ihre persönlichen Motive massiv von denen der jüngeren Freiwilligen. Diese vielfältigen Beweggründe gepaart mit den unterschiedlichen Lebensläufen sind zugleich Chance und Herausforderung im Einsatz.

Eine Chance stellen sie dar, weil die meisten Freiwilligen entweder Berufserfahrung oder feste Ziele mitbringen, für deren Erreichen das Absolvieren des Freiwilligendienstes ein bewusst geplanter und reflektierter Baustein ist: Z. B. (alleinerziehende) Mütter, die lange pausieren müssen, möchten damit wieder im Berufsleben Fuß fassen. Für Arbeitslose bedeutet er meist eine Verbesserung ihres Status und ist ein Mehrwert für ihre berufliche Zukunft. Ältere Menschen nutzen das Engagement etwa am Ende des Arbeitslebens, um sich den Übergang in den Ruhestand zu erleichtern. Sie erhoffen sich ein höheres gesellschaftliches Zugehörigkeitsgefühl. So sind diese Freiwilligen in der Regel hochmotiviert, selbstständig, eigenverantwortlich und freuen sich, mitanpacken zu dürfen.

Nichtdestotrotz kann der Dienst für sie zur besonderen Herausforderung werden, denn es ist nicht immer einfach, nach einer längeren Pause wieder in einen geregelten Berufsalltag einzusteigen. Umgekehrt kann es schwerfallen, mit großer Berufserfahrung in der Rolle der „einfachen“ Helferin oder des „einfachen“ Helfers seinen Platz zu finden. Hinzu kommt, dass die Biografien dieser Freiwilligen umfassender sind als die jüngerer Menschen und sich auf deren Begleitung auswirken. Zum Teil besteht bei dieser Zielgruppe ein hoher Redebedarf, der bei der Anleitung und Betreuung berücksichtigt werden sollte. Insgesamt ist dabei eine Begegnung auf Augenhöhe für Freiwillige im BFD plus sehr wichtig.

In der Regel können wir diese Zielgruppe drei Kategorien zuordnen10:

  • BFD plus als Qualifizierung. Diese Freiwilligen betonen besonders die Chancen, die sie im Dienst sehen. Für sie liegt der Fokus auf einem Ausbildungsabschnitt verbunden mit einer relativen Sicherheit, dass danach ein weiterer Ausbildungs- oder Weiterbildungsabschnitt folgt. Zu dem Personenkreis gehören unter anderen Freiwillige im Anerkennungsjahr, Freiwillige ausländischer Herkunft, die einen Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt suchen, oder Personen, die sich beruflich neu orientieren wollen, beispielsweise nach einer Elternzeit. Hauptmotiv dieses Typus ist es also, durch den Freiwilligendienst eine Verbesserung ihrer Wettbewerbsfähigkeit oder aber die Gewissheit, sich damit beruflich neu zu orientieren. Folglich sollte bei der Begleitung dieser Freiwilligen auch deren berufliche und persönliche Pläne für die Zeit nach dem Einsatz thematisiert werden.
  • BFD plus als Alternative zur Erwerbsarbeit. Diese Freiwilligen entscheiden sich überwiegend mangels Alternative für den BFD plus. Dem Ende des Dienstes sehen sie meist besorgt entgegen, da viele keine Perspektive für die Zeit danach haben. Auch bei ihnen sollte daher das „Danach“ in der Begleitung Thema sein. Gegebenenfalls bietet die Altersöffnung auch eine Chance für Einsatzstellen, ältere, motivierte Freiwillige durch attraktive Angebote langfristig zu binden.
  • BFD plus als sinnstiftendes Format. Diese Zielgruppe sieht den BFD plus als sinngebende Aufgabe während des Ruhestands. Sie genießen es, nicht mehr allein zu Hause zu sitzen und ihre Freizeit inhaltsreich gestalten zu können. Der Spaß an der Tätigkeit ist eines der wichtigsten Motive.11 Meistens sind sie finanziell abgesichert und entscheiden sich für einen BFD plus als „Zeitvertreib“, was er aufgrund der hohen Verbindlichkeit und des Zeitaufwands jedoch selten ist.

 

9by-nc-nd/3.0/, Rabea Haß, Annelie Beller für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de: „Der Bundesfreiwilligendienst: Ein Erfolgsmodell für alle?“, unter http://www.bpb.de/apuz/203543/der-bundesfreiwilligendienst-ein-erfolgsmodell-fuer-alle (abgerufen am 15.03.2017), S. 1

10ebd.

11by-nc-nd/3.0/ , Rabea Haß, Annelie Beller für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de: „Der Bundesfreiwilligendienst: Ein Erfolgsmodell für alle?“, unter http://www.bpb.de/apuz/203543/der-bundesfreiwilligendienst-ein-erfolgsmodell-fuer-alle (abgerufen am 15.03.2017), S.2

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