„Beide Daumen nach oben!“
Erster Aktionstag von Menschen mit Behinderung auf dem Jüdischen Friedhof in Darmstadt
Besser hätte der Aktionstag von Menschen mit Behinderung am Sonntag, den 10. April 2011 nicht laufen können. Die Sonne strahlte mit uns um die Wette und sorgte für beste Stimmung. Pünktlich und vollständig versammelten sich die dreizehn Akteure mit Behinderung, Mitarbeiter des Grünflächenamtes, der Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinde, freiwillig helfende Kollegen der Volunta Niederlassung Darmstadt und weitere Unterstützer wie etwa die Schirmherrin des Aha! Projektes Nicole Costantini um 10 Uhr im Garten neben der Trauerhalle. Jens Bucher, der Koordinator des Aha! Projektes begrüßte alle Teilnehmer sehr herzlich. Nachdem das Programm vorgestellt und mehrfach auf den Gebrauch von Sonnenmilch hingewiesen wurde, kam es zur Einteilung von drei Arbeitsgruppen. Mithilfe von unterschiedlich farbigen Namensbuttons konnten sich die freiwilligen Helfer den Teams „Rot“, „Grün“ und „Gelb“ zuordnen.

Daniel Neumann von der Jüdischen Gemeinde übernahm die Führung und spazierte nun mit allen Gruppen über den historischen Ort. Er gab spannende Einblicke in Jüdisches Leben. Jüdische Friedhöfe seien im Vergleich zu christlichen Friedhöfen oft weniger schmuckvoll gestaltet, auch trügen die Verstorben beim Begräbnis ein Hemd ohne Taschen, im Totenreich sei mit irdischen Besitztümern wenig anzufangen. Der Samstag – Sabbat – sei für Menschen jüdischen Glaubens in etwa mit dem Sonntag der Christen vergleichbar, die Arbeit solle ruhen. Interessiert hörte die Gruppe den Anekdoten und Geschichten zu.
Nach diesem Ausflug ins Judentum ging es an ganz praktische Aufgaben. Die Arbeitsgruppen legten los. Jeweils unter der Anleitung von Herrn Remmele, Herrn Wagner und Herrn Bauer (alle Grünflächenamt) und pädagogischen Betreuern verteilten sich die Teams auf dem gesamten Friedhof. Eine Gruppe schnitt Büsche und Sträucher zurück, eine andere Gruppe befreite die Gräber von Unkraut und Moos. Nicole Haustein, die sehr aktive Schirmherrin im Aha! Projekt und Europameisterin im Boxen, kam in Gruppe „Rot“ ordentlich ins Schwitzen. Der Spaß miteinander kam dabei nicht zu kurz. Viele Gräber wurden neu bepflanzt und angegossen.

Pünktlich zur Mittagszeit kam es zur verdienten Pause. Getreu dem Motto „Das Judentum erlebbar machen“ gab es eine Hühnersuppe mit Matzebällchen, umgangssprachlich auch „Jiddisch Penicillin“ genannt. Unter dem freien Himmel schmeckte es allen besonders gut. Nach dem Essen wurde die Arbeit wieder aufgenommen und der „Grünschnitt-Hügel“ wurde stetig höher und breiter.

Gegen 15 Uhr war Schluss mit der schweißtreibenden Arbeit, bei Kaffee und Kirschkuchen (nach einem israelischen Rezept) wurde der gemütliche Teil eingeläutet. Axel Eppich, Bereichsleiter der Freiwilligendienste im Inland bei Volunta hielt eine kurze Lobesrede auf die Freiwilligen und bedankte sich sehr herzlich bei jeder einzelnen Person. Als kleine Aufmerksamkeit gab es für alle Aktiven neben einer Teilnahmebescheinigung auch eine Umhängetasche mit dem Logo des Projektes Aha!, gefüllt mit allerlei nützlichen Informationen (inklusive dem Suppenrezept!).

Anschließend wurden die Mitarbeiter des Grünflächenamtes mit großen Blumensträußen ausgestattet. Martin Remmele, der Leiter der Abteilung Friedhöfe bedankte sich für diese außergewöhnliche Aktion und die große Motivation, die alle engagierten Menschen heute an den Tag gelegt hätten. Es sei etwas Besonderes für ihn gewesen und sicher auch etwas, dass man wiederholen könne. Ein Projekt-Teilnehmer brachte es noch etwas knapper auf den Punkt: „Beide Daumen nach oben!“.

Jens Bucher






