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Sophies Austauschhalbjahr in Mitchell's Plain, Südafrika


Die meisten Schueler machen heutzutage ihr Auslandsjahr in den USA, Kanada, Australien oder Neuseeland. Ich wusste von Anfang an, dass ich etwas ganz anderes moechte. Ich wollte sehen, wie eine ganz andere Kultur lebt.

 

Wenn ich dann oft erzaehlt habe, dass ich fuer ein halbes Jahr nach Suedafrika gehen werde, haben die meisten etwas komisch reagiert und nach der Sicherheit hier gefragt. Die Kriminalitaet in Suedafrika ist hoeher als die in Deutschland und man ist eindeutig mehr eingeschraenkt. Vor allem als Maedchen sollte man hier nicht alleine rumlaufen. Generell sollte man schauen, dass immer jemand mitgeht. Und natuerlich sollte man sich an die Regeln halten.

Wenn deine Gastfamilie dir raet nicht zu bestimmten Plaetzen zu gehen oder immer im Haus sein bevor es dunkel wird, dann solltest du dich auch daran halten. Ausserdem sollte man sein Handy oder sein Portemonnaie draussen nicht in der Hand halten oder wenn moeglich erst gar keine Wertsachen herumtragen. Wenn du Wertsachen bei dir hast, dann nicht sichtbar in einer Tasche, auf die du gut aufpasst. Auffaelligen Schmuck solltest du auch nicht auf der Strasse tragen. Wenn du dich an diese Regeln haelts, kann dann auch so gut wie nichts mehr schief gehen.

 

Als ich in Suedafrika, Kapstadt angekommen bin, ist mir gleich aufgefallen wie offen und herzlich die Menschen hier sind. Die Familie spielt hier eine sehr grosse Rolle und ist ziemlich eng. Jedes Wochenende lernt man mehr Tanten, Onkel, Cousins und Cousinen kennen. Es wird zusammen gesessen und erzaehlt.

 

Mit meiner Gastmutter in den Gardens von Kapstadt

 

Meine Gastfamilie besteht aus Mutter, Vater und einer 21-jaehrigen Schwester. Meine Gasteltern arbeiten beide unter der Woche und kommen dewegen erst abends nach Hause. Da meine Gastschwester zu Hause arbeitet, sehe ich sie, wenn ich von der Schule komme. Nach der Schule wird hier aber nicht sehr viel ausser Hausaufgaben gemacht. Am Wochenende gehe ich mit meiner Gastschwester oft zu Freunden zum Braai (Grillen). Es wird sich hier sehr oft mit Freunden zum Grillen getroffen.

Meine Gasteltern fahren mit mir am Wochenende zum Strand oder nach Kapstadt.

Dann gibt es ja auch noch die Freunde in der Klasse, mit denen man auch am Wochenende weggeht, um zum Beispiel ins Kino zu gehen. Die Suedafrikaner sind sehr gastfreundlich und laden dich oft ein bei ihnen mal einen Tag oder ein ganzes Wochenende zu verbringen.

 

Am Strand mit meinen Gasteltern

 

Die Haeuser hier sind kleiner als in Deutschland, aber man hat alles, was man braucht. In jedem Haus ist ein oder mehrere Fernseher, der fast den ganzen Tag laeuft. Ausserdem haben die Haueser keine Gaerten sondern Hoefe.

Das suedafrikanische Essen unterscheidet sich hauptsaechlich daran, dass hier jeden Tag Fleisch gegessen wird. Dazu gibt es meistens Reis und Kartoffeln. Sonst wird viel Toast gegessen und es gibt kein Brot, wie in Deutschland.

 

Wie man es dieses Jahr beim Worldcup sehen konnte, sind die Suedafrikaner ein sehr lautes und froehliches Volk. Es wird viel Musik gehoert und die Jugendlichen gehen gerne tanzen.

 

Am Strand

 

Als Weisse faellt man hier in der Oeffentlichkeit ziemlich auf und vor allem in der Schule wird man von jedem gegruesst und angesprochen. Ausserdem kennen aufeinmal alle deinen Namen und fragen dich wie es dir geht. Sogar auf der Strasse wird man angesprochen.

Die Schule hier ist auch ziemlich anders. Jeder Schueler traegt eine Schuluniform, die aus Hemd, Krawatte, grauen Hosen, schwarzen Schuhen und einer Jacke in den Fraben der Schule besteht. Es gibt nur 7 Schulfaecher. Darunter ist Afrikaans, eine der 11 Landessprachen in Suedafrika, die vom Hollaendischen abstammt und gerne ins Englische dazugemischt wird. Das meiste Wort, was hier immer in Afrikanns gesagt wird ist „lekker“ und das heisst so etwas wie schoen oder toll (nice) und wird mit im Englischen benutzt. Sogar im Fernseher laufen Serein, die halb Englisch und halb Afrikaans sind.

 

Am Strand

 

Meine Schulfaecher hier sind Englisch, Afrikaans, Mathe, Life Science (=Biologie), Geschichte, Tourismus und Life Orientation (=Ethik).

Da man aber nur so wenige Faecher hat, hat man jedes Fach jeden Tag und die Schule endet zwischen 14 oder 15 Uhr. Freitags ist die Schule schon um halb eins zu Ende.

Wenn der Lehrer den Klassenraum betritt, stehen alle Schueler auf und setzen sich erst, nachdem der Lehrer sie gegruesst hat und ihnen erlaubt sich zu setzen. Die Lehrer spricht man hier mit Miss beziehungsweise Sir an.

 

Am ersten Schultag ist es natuerlich schwierig dem Unterricht zu folgen, weil alles so neu und anders ist. Am zweiten Tag kann man sich dann schon eher auf den Unterricht konzentrieren und die Lehrer geben sich auch sehr viel Muehe, dass man alles versteht.

Nach der ersten Schulwoche kannst du auf jeden Fall schon dem Unterricht folgen und verstehst eigentlich alles (bis auf Afrikaans). In den Tests ist es dann manchmal schwieriger, aber das kommt auch mit der Zeit.

 

Auch wenn die Suedafrikaner im Allgemeinen nicht sehr viel Wert auf die Zeit legen, spielt Puenktlichkeit in der Schule eine wichtige Rolle. Wer zu spaet zum Unterricht kommt, muss entweder gleich draussen bleiben oder den Rest der Schulstunde unter seinem Tisch sitzen und Aufgaben machen.

 

Das bin ich auf der Straße in Mitchell's Plain, als ich die Sunday School von der New Apostolic Church besucht habe. Die ist ein mal nach jedem Schulterm, wo alle Kinder in der Gegened zusammen Lieder singen, beten, zusammen essen und spielen.

 

Als soziales Projekt besuche ich hier im Moment den Kindergarten um die Ecke. Er ist fuer viele Kinder bis zum Alter von 6 Jahren bestimmt. Da ich aber immer ziemlich spaet von der Schule komme und der Kindergarten frueh schliesst, ist das oft nur fuer eine Stunde. In dieser Stunde spiele ich dann mit den Kindern, wir malen oder ich lese ihnen etwas vor.

 

Mitchells Plain, der Ort in dem ich lebe ist ein sehr grosser Ort mit vielen verschiedenen Vierteln. Es gibt hier sehr viele Schulen. Ausserdem ist Mitchells Plain in Viertel eingeteilt. Fast jedes Viertel hat seine eigene Einkaufsmall.

Weiter weg gibt es auch groessere Malls wie zum Beispiel Century City, eine riesen grosse Mall mit Kino und Casino und vielen Shops.

 

Als oeffentlichen Transport benutzt man hier die Taxis. Das sind kleine Busse, in die ungefaehr 15 Personen passen. Sie sind also nicht mit den deutschen Taxis zu vergleichen.

Mit dem Bus ist man hier in ungefaehr einer Stunde in Kapstadt und mit dem Auto in einer halben Stunde.

 

Ausblick aus dem Auto

 

Landschaftlich besteht Suedafrika hauptsaechlich aus dem sogenannten Buschland. In der Naehe der Kueste findet man aber auch Berge und Waelder.
Die Suedafrikaner sind sehr tolerant mit Religionen. Das wichtigste ist eher, dass man einen Glauben hat.

Die meisten Suedrfikaner sind christlichen Glaubens und viele gehoeren dem Islam an.

Ich bin in einer christlichen Familie, und wir besuchen Sonntags morgens und Mittwochs abends die „New Apostolic Church“. In der Kirche wird viel gesungen und der Gottesdienst wird halb auf Englisch und halb auf Afrikaans gehalten. Zur Kirche gehen ist hier sehr wichtig und die ganze Familie macht sich schick. Es wird versucht, jeden Gottesdienst zu besuchen.

 

Das Schoenste, was ich hier bis jetzt erlebt habe, war als ich mit meiner Gastfamilie an der Kueste in Richtung Osten gefahren bin und die Berge und Straende gesehen habe. Ausserdem was ich hier auch sehr schoen finde ist, dass meine Gasteltern mich als ihre Tochter sehen und meine Gastschwester als ihre Schwester. Das hat mir Mitchells Plain schon als zweites zu Hause gemacht und meine Gastfamilie als zweite Familie.

 

 

Sophie (Austauschhalbjahr 2010)

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