Olafs Auslandsschuljahr in Südafrika

Wenn man sich dazu entschließt als Austauschschüler ins Ausland zu gehen, dann wirft sich die Frage nach dem Zielland auf. Die meisten meiner Bekannten und Verwandten waren von meiner Idee ein Austauschjahr zu absolvieren begeistert. Aber warum gerade Südafrika? Viele denken bei afrikanischen Ländern zuerst an Armut, Kriminalität und andere negative Erscheinungen. Diese Vorurteile sind jedoch nur eingeschränkt richtig. Sie existieren, aber meine Austauschorganisation hat liebevolle Gastfamilien ausgewählt, die diese Belange kennen und die Schüler vor dem Kontakt mit solch negativen Ereignissen bewahren. Wenn ich heute an Kapstadt denke, dann erinnere ich mich vielmehr an die Gastfreundschaft, die Warmherzigkeit der Menschen und das friedliche Miteinander der Kulturen.
In der Schule erregte mein Erscheinen natürlich erhöhtes Aufsehen. Als einziger weißer Schüler in einer Lehranstalt, die hauptsächlich von Coloureds besucht wird, ist das natürlich mehr als verständlich. Am Anfang hatte ich das Gefühl, dass jeder mit mir sprechen und etwas über Deutschland und die Beweggründe für mein Auslandsjahr erfahren wollte. In kürzester Zeit kannte die ganze Schule mich und ich kannte so gut wie niemanden. Dieser Trubel legte sich nach einer Zeit. Die Schule an sich war vom Niveau her recht einfach. Mitarbeit im Unterricht existierte fast nicht und die Klausuren basierten hauptsächlich auf auswendig zu lernenden Fakten. Das südafrikanische Schulsystem ermöglicht es allerdings bei der Fächerwahl spezielle Schwerpunkte im persönlichen Interessensgebiet zu setzen. Es gibt inzwischen so genannte Fokusschulen, die sich zum Beispiel auf das künstlerische, technische oder wirtschaftliche Aufgabenfeld konzentrieren. Ich belegte damals die Fächer Englisch, Mathematik, Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre und Buchhaltung. Im Afrikaansunterricht bestand für mich nur Anwesenheitspflicht.
Meine Familie war im Allgemeinen recht zurückhaltend und ruhig, aber das störte mich nicht, denn die Nachbarn waren dafür umso kontaktfreudiger. Ich habe mir damals ein Zimmer mit meinem Gastbruder geteilt. Die Häuser und deren Wohnraum sind im Allgemeinen kleiner als bei uns in Deutschland. Ich konnte mich immer auf meine Gastfamilie verlassen und für meine Nachbarn war es das größte, wenn sie mich beköstigen konnten. So kam es regelmäßig vor, dass ich doppelt Abendbrot essen durfte. Man kann ihnen dieses Angebot nämlich auch nur sehr schwer ausschlagen. Bei diesen Begegnungen entwickelten sich immer lebhafte Gespräche. Dadurch fiel das Erlernen der englischen Sprache nicht schwer!
Mein Austauschjahr hat mit Sicherheit meinen persönlichen Horizont erweitert. Man hat die einmalige Möglichkeit in eine andere Kultur einzutauchen und Teil einer gewöhnlichen südafrikanischen Familie zu werden. Die Orientierungsveranstaltungen in Deutschland und in Kapstadt haben mir am Anfang sehr geholfen mich auf die dortigen Gegebenheiten einzustellen. Dabei sollte man viel Toleranz mitbringen und weltoffen sein. Dann findet man mit Sicherheit sehr schnell Anschluss!






